
Meine erste Woche ist nun vorüber und auf der einen Seite habe mich schon sehr gut akklimatisiert und auf der anderen Seite komme ich manchmal aus dem Staunen kaum raus!
In der Schule läuft alles gut soweit, ich habe mittlerweile schon jede KLasse kennengelernt und weil die KLassen so klein sind, weiß ich auch schon die meisten Namen der Schüler. Am Donnerstag habe ich einen so genannten Schülertag gemacht- sprich ich habe die 7. Klasse den kompletten Tag und nicht nur bei den für mich relevanten Fächern begleitet, was sehr interessant war. Das Verhalten und ihre Rollen in der Klasse waren soooo unterschiedlich. In der einen Stunde noch ganz brav und interessiert, in der nächsten Stunde waren sie laut, sind im KLassenzimmer rumgelaufen, haben auch nach 3 maligen Ermahnen weiter gegessen und teilweise sogar den Unterricht verweigert. Ich bin ma gespannt wie diese Klasse sich bei mir aufführen wird! Morgen werde ich bei ihnen Aufsicht während der Mathe-Klassenarbeit führen, weil die Fachlehrerin in den ersten beiden Stunden mit der 6. KLasse einen Kompetenztest mit aus Deutschland entsandten Aufgaben schreibt. Nächste Woche werde ich höchswahrscheinlich in der 7 meinen ersten eigenen Lehrversuch starten!!!! Ansonsten habe ich bisher hauptsächlich hospitiert und mittlerweile viele verschiedene Kollegen im Unterricht erlebt. Die Unterrichtsstile und Ziele sind soo unterschiedlich, sodass sich schnell herausstellt, bei wem man in nächster Zeit öfter mitgehen wird- darüber sind Katharina (die andere Praktikantin) und ich uns schnell bewusst geworden!
In 2 Wochen, die Woche vor den Osterferien, ist in der Schule Fahrtenwoche und wenn alles glatt geht werde ich mit der 5.-7. KLasse mit zum Campen nach Rishikesh fahren. Rishikesh liegt ca. 250 km nördlich von Delhi am Ganges am Fuße des Himalayas. Es gilt als Mekka des Yogas und als Paradies zum Wildwasser-Raften und Klettern, gelegen in einer traumhaften Landschaft! Ich hoffe sehr, dass ich mitfahren kann!
Letzte Woche nach der Schule hab ich meistens nicht mehr so viel gemacht. Entweder bin ich straight nach der Schule mit der Autorikscha nach Hause gefahren, was auch schon immer aufregend war, weil jeder Fahrer ne andere Strecke fährt und man nie weiß, ob sie wirklich verstanden haben wo man hin möchte und einen zum richtigen Ort bringen. Manchmal bin ich dann auf dem Heimweg noch übern Market hier um die Ecke gelaufen, wo ich als Ausländerin natürlich als Käuferin, der man alles zum mindestens doppelten Preis andrehen kann, gelte. Somit wurde mir ununterbrochen alles mögliche von Teddy-Bären, über Duschvorhängen bis hin zu Kravatten unter die Nase gehalten und angepriesen. Letztlich habe ich mir letzten Freitag ein paar Schuhe und nen Schal gekauft und laut Eva wohl einen garnich so schlechten Preis ausgehandelt!
Freitag Abend bin ich mit Eva und Freunden von ihr noch was trinken gegangen. Weil ich nich wußte, was mich gewartet bzw eher mit ner Spilunke gerechnet habe, war ich um so erstaunter als wir im "Stones" ankamen! Es war ein absoluter Schicki-Micki-Laden, wie man ihn in jeder
deutschen Großstadt finden könnte. Noble Ledersofas, viel Holz. Italienische Küche. Und europäische Preise. Mirnichts dirnichts hatte man vergessen in welchen Breiten man sich eigentlich befand. Soagar ein Ständer mit gratis City-Cards hing an der Wand. Umso unwohler habe ich mich gefühlt als ich dann mal aus dem Fenster geschaut habe und zurück in die Realität geholt wurde und mir bewusst wurde wieviel geld ich hier grade für 2 Bier ausgebe und was manch Inder mit diesen umgerechnet 6€ alles anfangen könnte... Für die 20minütige Rückfahrt in der Rikscha zahlten wir wiederum zu dritt nur ca 2€. Verdrehte Welt!Samstag hat sich der Wechsel zwischen den Welten fortgesetzt: zunächsten waren wir im Lodhi Garden, wo wir auch schon voriges Wochenende gechillt hatten. Auf dem Weg dahin haben wir noch kurz beim Khan Market gestoppt, wo wir uns noch schnell ein Picknick fürn Park gekauft haben. Dies ist quasi die Champs Elysees von Delhi. Adidas, Levi's, Benetton, Swarovski, McDo, Subways... Nachdem wir ausgiebig im Park gechillt hatten, haben wir uns nicht wie eigentlich gedacht auf den Weg nach Haus gemacht, sondern zu einem Musikfestival, von dem
Eva währendessen von einem Freund gehört hatte. Auf dem Weg dahin lag Nehru Place, der größte Umschlagsort für Elektrogeräte Asiens. Dort haben wir noch ein Internetkabel für mich gekauft. Nehru Place besteht aus tausenden von kleinen Läden und Ständen, bei denen man alles von Steckern und Kabeln über externen Festplatten bis hin zu MacBooks kaufen kann. Aber da natürlich bekannt ist, dass dort viel Geld gemacht wird, halten sich dort auch viele Bettler und Straßenkinder auf. Es war kaum möglich mehr als 5 meter zurückzulegen ohne angebettelt zu werden. Gleich hatten Eva und ich eine Traube von verwahrlosten (schrecklich, dass ich das so sagen muss!) Straßenkids an unseren Rockzipfeln, die Geld für etwas zu essen haben wollten. Es tat mir so leid, diese Kinder so zu sehen und zu wissen, dass sie nicht mal 20 Rupees (30Cent) haben, um sich an einem der Straßen-Imbisse etwas zu essen kaufen zu können. Und nebenan geht ein Laptop nach dem andern für hunderte von Euros über die Ladentheke. So schlimm! Da wir den Kids kein Geld geben wollten, weil man nie weiß, ob das wirklich ihnen zu Gute kommt oder sie es nicht abgeben müssen, haben Eva und ich ihnen schließlich ein einem der Imbisse eine große Portion Momos (eine warme Wahlzeit bestehend aus gefüllten Teigtaschen und Soße) gekauft. Wenigstens ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein...Nach diesem weniger schönen Erlebniss sind wir dann zu dem Musikfestival gefahren. Wieder ein Schritt in Welt der upper class, von Armut keine Spur. Es gab 3 große Zelte, in denen Bands aufgetreten sind. Hardrock, Gitarrenpop, Elektro. Das Publikum war sehr westlich gekleidet, die Musik hätte man auf jedem europäischen Festival ebenso hören können! Saris und indische Musik à la Bollywood gab es dor nicht!! Leider kamen wir recht spät und somit haben wir nurnoch 2 Bands mitbekommen haben. Da wir den Abend immernoch nich enden lassen wollten , sind wir aufn Drink ins NuDelhi. Eine lounge-artige, total schnieke Bar mit 1a Service, in der man Wein für 20€ das Glas drinken kann. Wir sind dann aber doch lieber beim billigeren Bier geblieben. Nach diesem wiederholten Abtauchen in die westliche Welt sind Eva, Katharina und ich mit der Autoriksha nach Hause gefahren und wurden in null komma nix in die Realität zurückkatapultiert: Als wir an einer riesigen Kreuzung an der Ampel stehen, überquert vor uns ein ca. 12 jähriger Junge auf einem KAMEL die Straße! Im Schlepptau noch einen weiteren zweihöckrigen Kollegen von etwas 3 Meter Höhe! Und das mitten in der Stadt! Echt Crazy! Im Gegesatz zu mir war für Eva und Katharina das sich uns bietende Spektakel kaum aufregend und Katharina meinte nur: "Das passiert hier öfter mal. Kann gut sein, dass wir hier gleich noch nen Elefant durch die Straßen Delhis spazieren sehen!" Und kaum hatte sie ausgesprochen, überholten wir mit der Riksha einen riesengroßen, grauen, faltigen Elefanten. Ich dacht ich seh nich recht!!! Auf einer der Hauptverkehrsstraßen nachts um 2! Ich ärger mich
so, dass das alles so schnell ging und ich keine Fotos Schießen konnte! Grad noch in dieser krassen Bar, in der man sich fühlt wie in Paris oder London und 10 min später sitz man in ner knatternden Rikscha (die für gewöhnlich auch keine Seitentüren haben sondern an den Seiten offen sind) und begegnet nem halben Zoo! Unglaublich!Sonntag haben wir lange geschlafen und den Tag langsam angehen lassen! ich musste den
vorigen Tag erstmal noch verdauen!!!! Abends sin Eva und ich noch zum Markt, um das nötigste einzukaufen. sind aber letztlich nicht an den vielen Kleiderständen vorbeigekommen ohne zuzugreifen! Haben beide 2 wirklich schöne Oberteile für je 3€ gekauft! Da macht Shoppen Spass! :)Ich bin gespannt, was für Überraschungen diese Woche so bringt! Ich halte euch auf dem Laufenden!
Tschöö und bis dann!
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