




Letzte Woche waren hier von der deutschen Schule aus auch Osterferien und somit hatte ich Zeit um mir die Umgebung anzuschauen. Umgebung ist in Indien auf Grund der Landesgröße allerding ein sehr weiter Begriff! Delhi - Varanasi entspricht etwa der Entfernung München-Paris. Zunächst war es allerdings schon ein größerer Act bis ich am Montag endlich meine Zugtickets hatte, denn wegen dem anstehenen Feiertag "Holi" (Fest der Hindus zum Frühlingsanfang) waren viele Züge ausgebucht und dann hab ich mich auch noch von so Kerlen am Bahnhof an der Nase herumführen lassen. Dort behaupten sie nämlich gerne mal, dass das International Tourist Bureau, wo man als Ausländer easy Tickets bekommen kann, nicht mehr existiert oder umgezogen ist und schleppen einen dann "freundlicher Weise" in eine der zahlreichen Travel Agencies, wo man überteuerte Tickets angedreht bekommt. Und so befand ich mich nach einigem Suchen auch in so einer Agency, von der ich dachte es sei das gesuchte Touri-Büro. Zum Glück hab ich mich nicht dazu überreden lassen das "letzte Ticket nach Varanasi für die kommendnen 4 Tage" zu kaufen, sondern hab mich zu nem anderen Büro schicken lassen, welches auch im Lonely Planet aufgeführt war. Dort waren schließlich für alle Tage Tickets verfügbar und der Kerl dort hat mich aufgeklärt, dass ich zuvor natürlich nicht im International Tourist Bureau (ITB) war... Da dort dann aber das System abgestürtzt ist und somit keine Tickets ausgedruckt werden konnten, hat mir schließlich der Kerl erklärt wo das gesuchte Büro wirklich ist und mit eingetrichtert, dass ich sonst keinem glauben soll, der mir was anderes erzählt. Also wieder an ins Auto (=Abkürzung für Autorikscha) und zurück zum Bahnhof zum ITB. Dort habe ich schließlich, nach einer insgesamt ca. 5stündigen Rumgurkerei, bekommen, was ich wollte. Fix und alle kam ich zuhause an und dann hieß es schnell packen, weil es schon am nächsten morgen um 7 Uhr losgehen sollte nach Orchha. Zuerst bin ich mit 6 Stunden mit dem Zug nach Jhansi gefahren, wo man von Leuten, die einem Taxis und Autorikschas nach Orchha und Khajuraho andrehen wollen, wird. Nach einigem suchen hab ich schließlich zu dem im Reiseführer angegebenen Preis ein Auto (gesprochen übrigens: oto) gefunden, womit ich dann die 18km nach Orchha zurückgelegt habe. Orchha ist ein sehr schönes, kleines, an einem Fluß gelegenes indisches Dorf, welches für seine Palastanlagen und seine Authentizität und Ruhe bekannt ist. Ich habe in einem kleinen Hotel übernachtet und der Sohn des Besitzers hat mich am Nachmittag und Abend noch durch das Dorf geführt, mir einige schöne Ecken gezeigt und mich zum Abendgebet in den Tempel geschleppt. Das war sehr interessant- vor allem weil er mir einiges über Reinkarnation und die ganze hinduistitsche Götterwelt erklärt hat. Krishna, Rama, Hanuman, Vishnu, Shiva und Co...


Am nächsten Tag habe mich mir dann den Palast angeschaut, wofür ich mit 4€ genauso viel bezahlt habe wie für die Übernachtung. Aber es hat sich gelohnt! Nachmittags gings dann mit dem Local Bus weiter nach Khajuraho. Die 5 stündige Busfahrt (für 180 km!) für 1,50€ war ein wahnsinniges Erlebnis! In Deutschland hätte dieser klapprige Bus für max. 50 Personen Sitzplatz geboten, hier fanden auf irgendeine Weise ca doppelt so viele Personen Platz in dem Bus. Gepäck auf dem Dach verstaut und dann laut Hindi-Mukke an! Echt crazy! Da die Menschen in den ländlichen Regionen nicht so oft Westler sehen, war ich mit meinem Aussehen natürlich ne mega Attraktion in dem Bus, sodass ich die ganze Zeit angestarrt wurde, auf hindi zugequatscht und in die Backe gekniffen bekam. Sehr sehr lustig alles! In Khajuraho angekommen, fand ich schnell eine Unterkunft und bin nur nochmal kurz raus, um Geld abzuheben und zu Abend zu essen. Doch schon bei dem kurzen Trip, wurde ich stetig von min 3 Leuten verfolgt, die mich in ihren SouvenirShop zerren wollten oder sich mit mir unterhalten wollten. Total nervig- erstrecht nach dieser erschöpfenden Busfahrt bei 37°Grad. Am nächsten Morgen änderte sich das kaum und sogar Leute, die ich am Abend zuvor schon weggeschickt hatte, weil ich alleine sein wollte, kamen wieder an und schwätzten mich zu. Wuuuahhh! Somit war ich sehr froh, dass ich in diesem touristischen Dorf nur für eine Nacht Station machte, auch wenns dadurch etwas stressig wurde. Donnerstag morgen schaute ich mir also die Tempelanlagen an, die teilweise sogar zum Weltkultutrerbe gehören. Ca 80 Tempel wurden um den Ort Khajuraho zwischen 900-1000 erbaut. Doch erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurden sie entdeckt und 30 von ihnen ausgegraben. Sie werden auch temples of love genannt, weil die Tempel detailgetreu mit Kama Sutra Abbildungen versehen worden sind. Wirklich krass! Alle Tempel voll mit erotischen Bildern in allen Größen, die in den Sandstein gemeiselt sind!


Nachdem ich diese beeindruckenden Bauwerke besichtigt hatte schaute ich mir noch den Local Market an und nachmittags ging es mit dem Bus weiter nach Satna, von woaus ich mit dem Nachtzug nach Varanasi gefahren bin.

Glücklicher Weise lernte ich bereits im Bus ein belgisches Pärchen kennen, mit welchem ich dann gemeinsam die Wartezeit am Bahnhof überbrückte und herausfand an welchem gleis der Zug abfahren sollte und wo man sich am Bahnsteig hinstellen musste, um in den richtigen Wagon zu kommen. Das ist sehr wichtig, da nicht alle Wagons Verbindungstüren haben. Allerdings erzählte uns jeder was anderes, sofern wir überhaupt verstanden wurden, sodass ich letzten Endes doch am komplett falschen Ende des Zuges wartete. Aber es ging trotzdem alles gut, sodass ich wenig später den Komfort eines indischen Nachtzugs genießen konnte. In meinem klimatisierten Abteil gabs 2 Stockbetten, wofür jeder frische Lacken, Kissen und Decke bekam. Da ich sehr müde war legte ich mich sofort schlafen, auch wenns erst 20h uhr war. Nach einer doch recht bequemen Nacht kam ich um 7 Uhr in Varanasi an, wo ich von einem der Mitarbeiter des Hotels, was mir der Hotelbesitzersohn in Orchha vermittelt hatte, von Bahnhof abgeholt wurde. Nach ner kurzen Dusche und Frühstück auf der Dachterasse des Hotels hat mic einer der Mitarbeiter zum nahegelegenen Shivala Ghat begleitet und mir auf dem Weg dorthin einiges gezeigt und erklärt. Ghats sind die Treppenabschnitte am Fluss Ganges, über die die Hindus zum Bad im heiligen Fluss ins Wasser gelangen. Mehr als 80 dieser breiten Treppen gibt es in Varanasi und es ist immer einiges los am Ufer. Baden, Waschen, Beten usw. Da Hindus, wenn sie in Varanasi sterben, verbrannt und die Asche in den Ganges geworfen wird, dirket ohne Reinkarnation ins Nirvana kommen, gibt es direkt am Ganges 2 Feuerstellen, wo ununterbrochen Leichen verbrannt werden. Als ich nun dort stand konnte ich Zeuge von 2 solcher Szenarien werden. Unglaublich. Ich bin immernoch am verarbeiten und weiß bis jetzt nicht was ich davon halten soll... Sehr krass ist auch, dass die Hindus in dieser heiligen Dreckbrühe auch baden, Kleider waschen und letztlich aber das Wasser auch regelmäßig trinken - bei 1,5 mio Colibakterien pro 100ml Wasser müssen sie da schon ganz schön abgehärtet sein. Gewässer, die in Europa zum Baden frei gegeben werden, dürfen nicht mehr als 500 Bakterien pro Liter aufweisen!
Später bin ich dann nochmal alleine losgezogen und ein wenig in engen Gassen herumspaziert. Unter anderem wollte ich mir ein paar billige Klamotten für den anstehenden Feiertag Holi kaufen. Denn die Hindus begrüßen den Frühling mit einem wahnsinnigen Fest, an dem sie wie wild mit Puder-Farbe und mit buntem Wasser gefüllten Wasserbomben um sich schmeißen! Doch schon kurz nachdem ich losgegangen war, hatte eine Gruppe Jungs mich zur Zielscheibe erklärt und ich war von oben bis unten blau, rot, grün und lila! Meine Kleiderwahl für Holi hatte sich nun also von selbst geklärt...


Samstag war nun der eigentliche Tag, an dem Holi gefeiert wurde, auch wenns vorher schon ganz schön bunt herging. Von eingigen Seiten hatte ich schon zuvor mitbekommen, dass die Inder vor allem hier in Norden an diesem Festtag total ausflippen und die Mitarbeiter des Hotels haben sogar Ausgangssperre für weibliche Gäste bis Nachmittags um 4 erteilt. Das Fest feiern zumindest morgens nur Männer, die nun die einzige Chance des Jahres nutzen, um über die Stränge zu schlagen. Sie trinken öffentlich, maßlos Alkohol, beschimpfen und umarmen sich und reißen sich wohl sogar Klamotten vom Leib. Alles mit einem recht öbszönen Touch... Und natürlich Farbe ohne Ende! Ein Österreicher aus dem Hotel hat sich vormittags aus dem Hotel gewagt. Als er zurückkam, trug er nurnoch seine Hose und einen Restfezten seines Tshirts um den Hals und sein Körper war komplett blau und grün.


Aanchal, meine Mitbewohnerin aus Delhi, kam morgens mit dem Nachtzug aus Delhi an. Mit ihr, den anderen Hotelgästen und vor allem dem Mitarbeitern des Hotels haben wir dann mit ganz
viel Farbe auf der Dachterasse des Hotels gefeiert. Es wurde auch getanzt, aber da das doch auf eine recht anstößige Art und Weise geschah, haben wir Mädels uns da lieber raus gehalten. Nachmittags kehrte schließlich urplötzlich wieder Normalität ein. Alle gingen duschen, um sich von dem Farbfilm zu befreiben, zogen ihre besten Kleider an und machten sich auf den Weg, um gesittet im Kreise der Familie Holi zu feiern. Auch Aachnal, Lino, der bereits erwähnte Österreicher, und ich machten uns "schick" und schlenderten am Ganges entlang zu einem Rooftop Restaurant um zu abend zu essen. Von dem vormittaglichen Ausnahmezustand war nichts mehr zu merken! Am Dasashvamedh Ghat, dem Haupt-Gaht von Varanasi konnten wir noch die allabendliche Gebetszeremonie verfolgen. Lautes Glockenläuten, Musik, Gesang, Feuer, der Geruch von Räucherstäbchen, Kinder die Blumen verkaufen, endlos viele Menschen - eine wirklich beeindruckende Zeremonie!
Sonntag morgen sind Aachnal und ich früh aufgestanden, um bei Sonnenaufgang eine Bootstour auf dem Ganges zu machen. 2 Stunden lang ließen wir uns von einem alten indischen Mann in einem uralten Ruderboot an den Ghats entlang schippern. Es war schon richtig viel los und wir konnten Menschen beim Baden im Fluß und beim beten und an den 2 Feuerstellen auch Leichenverbrennungen beobachten. Das schummerige Licht bei Sonnenaufgang schuf eine sehr mysthische, unbeschreibliche Athmosphäre!
Tagsüber waren wir durch die kurze Nacht und die Hitze ein bisschen träge und haben unsug z durch die Straßen und Shops der Stadt treiben lassen. Vieles ist in Varanasi noch günstiger als in delhi, sodass wir mit einigen Tüten ins Hotel zurückkehrten! Um 19h nahmen wir den NAchtzug zurück nach Delhi und so überwältigend Varanasi auch war, reichten die 3 Tage auvh und ich war irgendwie froh abzureisen. Die Stadt ist unheimlich eng, dreckig und es gibt an allen Ecken stinkende Müllhaufen und überall liegen Kuhfladen rum. Und durch die Leichenverbrennungen liegt meiner Meinung nach ein sehr sonderbarer, süßlicher Geruch über der Stadt, den ich irgendwann nicht mehr aushalten konnte!
Montag morgen um 10 kamen wir nach diesem beeindruckenden Trip wieder in Good New Delhi an!
Liebe Grüße,
*Wibke*