Sonntag, 4. Mai 2008

Vom Alltag bis nach Pushkar

Die letzten Wochen ist hier in Delhi für mich der Alltag eingekehrt und somit gabs auch nich soo viel zu berichten. An die Kühe mitten in der Stadt, das ein Einkaufen und Verhandeln auf den Märkten, das allgemeine Straßenchaos usw hab ich mich nun total gewöhnt. Ich habe viel unterrichtet seit den Osterferien, was sehr unterschiedlich lief. Mathe mit den 2 Schülern der 9. KLasse war prinzipiell ganz gut, aber irgendwie felht die Unterrichtsatmosphäre- erst recht wenn, wie öfters vor kam, einer der beiden krank ist. In Politik bei der 9 . und der 10. KLasse zusammen habe ich eine Unterrichtseinheit über Europa gehalten. Es war sehr schwierig die Stunden vorzubereiten und vor allem die wichtigsten Informationen fuer den Unterricht herauszfiltern. Alles muss dermaßen runtergebrochen werden, sodass von dem, was einem selbst wichtig is, kaum mehr war übrig bleibt. Und dann diese Basic-Sachen mit Leben zu füllen, ist wirklich nicht einfach, sodass mir selbst die ein oder andere Unterrichtsstunde teilweise recht trocken vorkam und ich es gerne besser gemacht hätte... Abschließend habe ich über diese Einheit noch einen test geschrieben, den ich selbst erarbeitet und korrigiert habe. Es hat einen kompletten Tag gedauert, diesen verdammten Test zu konzepieren, was vor allem daran lag, dass der eigentliche Fachlehrer, Tobias, auch eine Transferaufgabe in Form von Textarbeit dabei haben wollte. Stundenlang saß ich also vorm Pc und habe online-zeitungsartikel gewälzt und mir den Kopf zerbrochen, wie man den Transfer herstellen kann und was für die Schüler machbar ist. Wirklich nich einfach! Letztlich war Tobias im Großen und Ganzen recht zufrieden mit dem, was ich produziert hatte und meine Mühe hatte sich immerhin gelohnt. Bei den Schülern kam die Arbeit ganz unterschiedlich an und unter den 7 Tests gab es alle Noten von 1-6! Ne 5 bzw 6 zu geben fand ich ziemlich hart, aber es war nix zu machen. Auch Tobias sah das so! Aber mir tuts immernoch leid für die Schüler und ich bin froh, dass es auch gute Noten gab und es somit nich (nur) an mir, meinem Unterricht, meinem Test gelegen haben kann! Mit sowas muss man als Lehrer wohl auch erst umgehen lernen...
Ansonsten gibt es in unsere WG eine Neuerung: Eva und ich waren schon länger etwas von Aanchal angenervt und als sie dann Eva mit ihrem hochnäsigen Verhalten gegenüber unserer Maid völlig auf die Palme gebracht hat, hat Eva sie kurzerhand rausgeworfen. Glüvklicher Weise konnten wir schnell einen Nachfolger finden, sodass nun Jean aus Frankreich seit 3 Wochen bei uns wohnt.
Letztes Wochenende haben wir, u.A. um Evas Geburtstag zu feiern, einen WG-Trip nach Pushkar im Bundesstaat Rajasthan gemacht. Freitag Abend um 20h gings los: Erst mit der Rikscha von unserer Wohnung im Süden zum Busbahnhof im Norden Delhis. Dort wurden wir zunächst in einen kleinen Van geladen, der uns dann zu einem anderen Busbahnhof gebracht hat, wo wir unsrere Tickets gegen die richtigen Tickets tauschen und nochma eine Stunde warten mussten. Durch dieses System soll ma einer durchblicken.... Hätte Eva die gleiche Tour nicht schon ma vor ein paar Monaten gemacht, hätte ich die Hoffnung die Stadt überhaupt noch zu verlassen wohl längst schon aufgeben. Nach über drei Stunden Rumgegurke und Rumgewarte in Delhi ging die Fahrt im Schlafbus schließlich los. Die Horrormärchen, die ich über solche Busse schon gehört hatte, haben sich zum Glück nicht bewahrheitet und der Bus war recht neu, sauber und kakerlakenfrei. In solch einem Bus sind unter normale Sitze und obendrüber Schlafabteile. Eva und ich hatten ein "Doppelbett", was einen guten Meter breit und 1,80m lang war und Jean ein Single-Sleeper. Man fühlt sich in etwa wie einem Wohnmobil oder Hausboot. In dieser gemütlichen Atmosphäre haben wir dann mit Sekt und Schokokuchen in Evas Geburtstag reingefeiert. Leider war mir schn die ganze Zeit über etwas flau im Magen und der Schluck Sekt hat mir dann den Rest gegeben, sodass ich die nächsten Stunden der Busfahrt nurnoch in der Ecke kauerte und mich durchschuckeln liess, bevor mein Mageninhalt endlich den Weg aus dem Fenster gefunden hatte. Dann gings mit gut und ich konnte prima schafen. In Pushkar angekommen mieteten wir uns in ein billiges, aber schönes, direkt am heiligen See gelegenes Hotel ein. Von unserm Fenster sowie von der riesigen Dachterasse aus hatte man einen tollen Blick über den See, an dem sich ähnlich wie in Varanasi viele Ghats (Treppen in dem See) befanden und man den Pilgern mein Reinwaschen im heiligen, tiefgruenen (!) See zuschauen konnte. Pushkar ist (vor allem im Winter) ein Touriort und somit gibt es dort unendlich viele Laeden, in denen man super den typisch indischen Souvenir- und Klamottenkram einkaufen kann und Silberschmuck kann man auch super shoppen dort! Auch ich bin einige Male den Bazar hoch und runter gelaufen... Da Pushkar in unmittelbarer Naehe einer Wueste liegt, war es unheimlich heiss und wenn wir nich grad einkaufen waren, verbrachten wir die Zeit Lassi-trinkend in schattigen Cafes. Sehr relexter Trip also! Nur die Rueckfahrt im Sleeper-Bus ging diesmal leider in Richtung Horromaerchen: Alles noch kleiner und enger als bei der Hinfahrt und vor allem um einiges schaebiger und siffiger, sodass man am liebsten nichts beruehren wollte! Zum Glueck hatten wir ein Bettlaken dabei und als ich mir irgendwann oft genug gesagt hatte, dass ich am naechsten Tag all den Dreck abduschen und meine Klamotten waschen kann, konnte ich sogar richtig gut schlafen in dem winzigen Kabuff!
Am naechsten morgen in Delhi angekommen, hiess eigentlich nur schnell duschen, Klamotten waschen, Ticket fuer den Bus in die Berge organisieren und wieder neu packen! Aber zu diesem Trip im naechsten Post dann mehr!
Gruss,
die Wibke

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