Samstag, 24. Mai 2008

Heyho!

Wuuahh, meine Tage in Delhi sind gezählt und somit waren die letzten Tage auch schon stark vom Abschiednehmen geprägt! Wobei, auf der anderen Seite haben sich auch noch schöne neue Kontakte ergeben- nämlich die Aiesec (Internationale studentische Praktikumsvermittlung) - Wg bei uns um die Ecke! Unvermeidbar, dass man hier in Indien als Weißgesicht sofort auffällt und somit wussten wir auch schon ewig, dass wir hier im Viertel nicht die einzigen von Übersee sind, aber trotzdem haben wirs aus unerfindlichen Gründen in den letzten Monaten nicht geschafft mal bei unseren internationalen Nachbarn vorbeizuschauen. Natürlich hatten wirs uns vorgenommen, aber wies dann halt immer so is.... Vor gut 2 Wochen hab ich dann einige von den 7 Jungs beim Kiosk getroffen und sie haben uns gleich mal eingeladen Samstags mit zu einer Aiesec-Farmhouse-Party zu kommen! Gesagt, getan- aber zuvor war ich an diesem Abend noch bei Tilman, Tobias und Katharina (Schulkollegen) eingeladen, wos ehrlich gesagt etwas lahm war und mir mal wieder klar wurde, wie schnell doch in solch einer Expatriate-Community Zweckgemeinschaften gebildet werden. Gegen Mitternacht löste sich die Party schließlich auf und aufgrund des Nahrungsmittelüberangebots wurde ich mit einem Kuchen verabschiedet. Zur Rolle des Kuchens später mehr! Mit der Rikscha gings dann Richtung Farmhäuser vor den südlichen Toren der Stadt, wo ich Eva und die Jungs treffen sollte. Ewigkeiten irrten wir in der Vorstadt herum, da der Rikschafahrer nix mit der Adresse anfangen konnte. Unterwegs fragten wir immer wieder nach dem Weg u.a. auch zwei Jungs, die ihrem Sprach- und Stehvermögen nach zu urteilen mit dem Motorrad wohl auf dem Rückweg von einer feucht-fröhlichen Party waren. Echt unglaublich wie leichtsinnig hier mit Alkohol im Straßenverkehr umgegangen wird! Und dann haben die Kerle auch noch nen total falschen Weg erklärt! NAch ner 3/4 Stunde Fahrt fanden wir schließlich die Aiesec-Party, welche sich schnell zu einer Art Abi-Party internationaler Leute entpuppte. Sie fand im Garten eines wunderschönen Farmhauses statt, Getränke waren toller Weise umsonst- nur leider war schon alles leer als ich dort ankam. Musik und Leute waren ganz schön anstrengend und nachdem wir hier und da mit ein paar Leuten geredet hatten - alle waren sehr beeindruckt, dass wir nicht über Aiesec in Indien sind, sondern uns Praktikum und Wohnung usw selbst organisiert hatten - und das Bier, was uns irgendwer von irgendwoher noch organisiert hatte, getrunken hatten, machten Eva und ich uns schon wieder aufn Heimweg! Eva traf bei der Party lustiger Weise jemanden, den sie bis dato ausschließlich über facebook kannte und der uns für den nächsten Tag zu einer Poolparty im ParkHotel einlud! Doch für was gut dieser ganze virtuelle Freundschaftskram. Da wir auf dem Rückweg eh fast bei Peters und Praveens (Freunde von Eva)
neuer Wohnung vorfuhren, beschlossen wir dort noch kurz vorbeizuschauen. Und wie so oft waren sie auch noch wach und saßen noch in einer netten Runde beisammen auf der großen Dachterasse. Irgendwann bekamen wir Wind davon, dass es Praveens Geburtstag war und plötzlich machete es Sinn einen kompletten Abend einen Kuchen in der Handtasche herumzutragen! Hätte ich auch nie gedacht! Bis Sonnenaufgang saßen wir noch auf der Terasse zusammen und genossen die einzigen kühleren Stunden zwischen 4-6. Echt unglaublich wie sehr sich die Hitze staut und vor allem wir schnell die sonne morgens schon wieder unaushaltbar runterballert. Ganz an nach dem Motto: Licht an - Grill an!
Den Sonntag Nachmittag verbrachten Eva, Jean und ich mit den Aiesec-Jungs im Pool des Parkhotels, wo man ohne Einladung normalerweise 750 rs (12 Euro!) Eintritt zahlen muss. Abends fand in unserer Straße mal wieder eine Hochzeit statt, sprich es wurde einfach mitten auf die Straße ein riesiges Zelt aufgebaut, hinterm Zelt wurde auf dem Boden in riesigen Töpfen das Festmal zubereitet. Ein beeindruckendes Spektakel, was vor unsere Haustür ca. ein mal pro Monat statt findet! Alles arrangierte Hochzeiten versteht sich! Love marriages gibts in Indien nur selten! Endlich kam ich dazu, davon mal ein paar Bilder zu machen und ein Video zu drehen...
In der Schule war in den letzten beiden Wochen vor den Ferien kaum mehr was los. Die 9er und 10er machten Betriebspraktikum, wo ich auch zwei von ihnen zusammen mit 2 Kollegen besuchte und u.a. lernte, dass Hupen für den indischen Automobilmarkt einen Test von 200.000-maligen Hupen überstehen müssen, wohingegen europäische Hupen nur 50.000 mal überstehen müssen! Der Martk stellt sich also gut auf den indischen Straßenverkehr ein ;)
Auch die anderen Klassen (und Kollegen) waren schon sehr in Ferienlaune und so entschied ich mal ein wenig in der Grundschule reinzuschnuppern und schließlich auch eine Mathe-Stunde in der 1. KLasse zu halten. Es hat total Spass gemacht! Die Kleinen sind soo einfach zu begeistern und soo neugierig. Auch beim Schwimmunterricht der 1. klassse und der Vorschule war 2 mal dabei als Unterstützung von Sven (Sportlehrer), der völlig genervt von den wuseligen KLeinen war ".... ich bin doch dafür garnicht ausgebildet sondern Sek I und II Lehrer..."! Beim zweiten mal is mir die Lust aufs Schwimmen jedoch gänzlich vergängen als wir dort ankamen und sich in dem Pool die halbe amerikanische Schule befand (es war kaum mehr blau zu sehen!) und um den Pool neben 2 aufgeblasenen Lifeguards der Schule auch noch der Hund einer der Lehrerinnen herumstreunerte... IIHHHHH! Und Verantwortlich der deutschen Schule versuchen seit Wochen mit allen Mittlen den Pool vorm umkippen zu bewahren!
Einen Nachmittag habe ich ma wieder aufm Sarojini Market verbacht, da mich der Inhalt meines Kleiderschrankes total angenervt hat. Mit ca. 30 € weniger im Geldbeutel, aber dafür mit 10 Oberteilen, 2 Röcken und 2 Kleidern (alles von Billabong, Eprit usw) in der Tasche kam zurück und Eva hat mich für verrückt erklärt als sie diesen Berg gesehen hat!
Seit letztem Wochenende hat hier verfrüht der Monsoon eingesetzt und es regnet seither jede Nacht und auch öfters am vormittag, sodass es ganz schön abgekühlt hat! Von 45° Grad (gefühlten 50!) sanken die Temperaturen auf 25-30° Grad, was einerseits ganz schön angenehm, auch dazu führte, dass unser Körper plötzlich mit Frieren beschäfigt war und wir unsere Pullis wieder rauskramten! Ich häte nie gedacht, dass man sich so gut an die Hitze gewöhnen kann. Und da lacht man immer über die Engländer, die bei 20 Grad in kurzen Hosen und Tshirt rumrennen und sich zu tode schwitzen! Dummerweise wirds, sobald die Sonne nun wieder rauskommt, total schwül, was recht eklig ist!
Samstag war der letzte richtig heiße Tag und genau da haben Eva, Jean, Aurelie und ich nen Ausflug nach Old delhi gemacht. Das Fotoparadies schlechthin! Die kleinen Gassen sind unglaublich. Über einem befindet sich immer ein Netz von Kabeln und Stromleitungen - ganz nach dem Motto: Kaputte Kabel reparieren lohnt sich nicht- wir hängen zu den 10.000 anderen einfach noch ein weiteres Neues! Als wir aufgrund der Hitze kurz vorm kollabieren waren, kamen wir glücklicherweise im rechten Augenblick bei nem Mägges vorbei und ließen uns da von Klimaanlage und McSunday ein wenig abkühlen! Ein Hoch auf das Familien-Restaurant! Auf der Suche nach einem einem Shop, wo man alte Bollywood Filmplakate und Filmrollen für wenig Geld kaufen können sollte, verirrten wir uns in ein Viertel mit winzigen Gassen und uralten Holzhäusern mit wunderschönen, leider total verfallen Fasaden! Und genau dort befand sich ein Elektro-kleinteile-Umschlagsplatz wie ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte. Unglaublich was man dort alles kaufen konnte. Alle möglichen Schalter in den unterschielichsten Farben, Kabel, Glühbirnen usw. Ein Laden reihte sich an den nächsten und alle verkauften mehr der weniger den gleichen Kram und die kleinen Gassen waren überfüllt mit Menschen, Autos, Mopeds, Fahrrädern usw. Immer wieder staute sich der Verkehr, weil zwischen den vielen Kartons, die auch noch überall rumstanden, kein PLatz zum Durchkommen war. Unsere Fotoaparate liefen auf Hochtouren! Den Filmladen haben wir aber leider nich gefunden. Da starte ich nachher nochma einen Versuch! Später bin ich dann noch zum ersten Mal mit der DelhiMetro gefahren, was gerade nach diesen Eindrücken in OldDelhi, zu extremer Verblüffung geführt hat! Perfekte Kopie der Londoner Metro würde ich sagen. Total neu, sauber (!!!!), geräumig usw und sogar die gleiche Ansagestimme wie in der Londoner U-Bahn. Kaum zu glauben, dass es solch ruhige Orte hier in Delhi auch gibt! Man hätte echt vergessen können wo auf dieser Erde man sich gerade befindet! Nur beim Ein- und Aussteigen hat sich trotz Pfeile auf dem Boden noch nich das Prinzip " Erst aussteigen lassen, dann einsteigen" durchgesetzt....
Letzten Dienstag war das letzte mal Volleyball, wo für mich schon der erste Abschiedsschmerz hoch kam! Wir haben schön gespielt - weniger rumgeballer als die letzten Male- und danach noch bei Bier und Knabbereien zusammengesessen. Später hat mir Sven noch den Geheimtip zum Südindisch Essen gezeigt! Alle Bundesstaaten Indiens haben in Delhi eine Vertretung und dementspechend auch ein Verwaltungshaus und im Falle des südindischen Staats Karnataka ist auch ein Restaurants angeschlossen! Dort gabs leckere Dosas, so ne Art herzhafter Crepe!
Freitag war der allerletzte Schultag und nachdem die Kids ihre Zeugnisse bekommen hatten, gings rüber in die deutsche Botschaft, wo noch eine offizielle Schuljahresabschlussfeier statt fand. Eine wirklich schöne Veranstaltung mit viel Musik, Gesang und Dankes- und Abschiedsreden. Richtig lustig war der Männerchor der 5 männlichen Kollegen, der Lili Marlen, über den Wolken und eine umgedichtete Version von "Auf der schwäb'schen Eisenbahne" zum Besten gab! Anschließend gabs noch im Kreise des Kollegiums ein Abschiedsessen für die Rektorin in der Schule. Hier gabs für mich dann auch noch mal die Gelegenheit mich mit einigen Kollegen zu unterhalten und auch über mein Praktikum und mein Eindruck von der Schule zu reden. Eine lustige Runde war übriggeblieben und wie so oft war ich letztlich unter den letzten, die nach Hause gingen. :) Irgendwie kaum zu glauben, dass nun schon wieder eine Etappe, das Praxissemester, bewältigt ist, es Abschied nehmen heißt und mit dem Flug auf die Andamanen nächsten Freitag wieder was neues beginnt. Ich bin wirklich tollen Menschen hier begegnet, sei es im Kollegium oder unter den Schülern und es ist seltsam, sie nun alle nicht mehr 5 Tage die Woche zu treffen. Aber dennoch waren die 13 Wochen auch genug! Es gab kaum mehr neues zu entdecken, die Möglichkeiten als Praktikantin erschöpft und die Spannungen innerhlab des Kollegiums und die Unzufriedenheit mancher Leute gingen mir auch öfter mal auf die Nerven gegen Ende... Alles ein wenig zu eng und Privates wird mit Job vermischt, weil die deutsche Gemeinschaft hier winzig ist, jeder jeden kennt. Ganz schön anstrengend! Trotzdem werd ich wohl im September vorm meinem Rückflug nochma in der DSND vorbei schauen, um endgültig GoodBye zu sagen!
So, das wars nun erstma. Die kommende Woche werde ich noch einiges zu erledigen haben bevors dann auf die große Reise geht! Nachmieter, packen, letztes Delhi-Sightseeing blablabla...

1000 grüße

wiBkE

1 Kommentar:

lena hat gesagt…

salut aus frankreich!
habe gerade über henrikes studivz seite deinen blog link erspannert:)da bist du ja schon drei monate in indien! ist schön deinen blog zu lesen. hätt ich schon mal eher machen sollen. bis vor kurzem waren zwei freundinnen von mir in india mit blog und jetzt habe ich die indischen eindrücke schon fast vermisst! wünsch dir noch eine tolle reisezeit! meine zeit in frankreich (auslandsemester) geht am samstag schon zu ende!
liebe grüsse